ephy-mess

Sensortechnik nach Maß. Weltweit.

Pressemitteilung | 6. Februar 2017

Hessenschau vom 05.02.2017:

Auswirkungen der aktuellen amerikanischen Politik auf hessische Unternehmen am Beispiel der EPHY-MESS

Nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten blickt die deutsche Wirtschaft zum Teil sorgenvoll über den Atlantik. Seit zwei Wochen gibt es aus den USA fast jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft. Für ausländische Produkte sind Strafzölle vorgesehen, für bestimmte Menschen werden die Grenzen dicht gemacht und für einige anerkannte Projekte gibt es künftig kein Geld mehr. Der aktuelle protektionistische Kurs beunruhigt auch hessische Unternehmen.

Die Sicht der EPHY-MESS GmbH hat Geschäftsführer Andreas Becker in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie dem Hessischen Rundfunk erläutert.


Das Interview finden Sie im Anschluss an diesen Text.

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Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2017

Sorgenvolle Blicke über den Atlantik


Der protektionistische Kurs der neuen amerikanischen Regierung beunruhigt auch hessische Unternehmen

FRANKFURT/WIESBADEN. Bernhard Schmitt schaut mit Besorgnis auf die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. "Das Planen ist schwieriger geworden und damit auch die Entscheidung, ob und wann wir in neue Maschinen investieren", sagt der Geschäftsführer der Geisenheimer Gesellschaft für Antriebstechnik. Der Amerika-Export des mittelständischen Unternehmens macht laut Schmitt etwa acht Prozent des jährlichen Gesamtumsatzes aus. "Die Vereinigten Staaten sind unser fünftgrößter Absatzmarkt. Auch wenn die aktuellen Zahlen noch keinen Rückgang unserer Bestellungen zeigen, herrscht doch eine gewisse Unsicherheit, wie es weitergeht."

Sollte es etwa Strafzölle für die Einfuhr von Maschinen geben, würde das die Wettbewerbsfähigkeit des Rheingauer Unternehmens, das aktuell rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, beschädigen, erläutert der Geschäftsführer. Laut Schmitt können aber auch die indirekten Auswirkungen von Donald Trumps protektionistischem Kurs weitreichend sein. Für den Fall, dass etwa China weniger in die Staaten exportieren dürfe, würden die Chinesen auch weniger Maschinen aus Deutschland kaufen, erklärt er.

Entspannter wird die Lage in der Frankfurter Merz-Gruppe beurteilt. "Uns betreffen die Änderungen weder mittelbar noch unmittelbar", sagt Finanzchef Beat Neukorn. Pharmaprodukte seien nur schwer austauschbar. Sollten die Vereinigten Staaten Einfuhrzölle erheben, würden dort vor allem die Preise für den Endverbraucher steigen. Laut Neukorn hält Merz an geplanten Investitionen fest. In Amerika und Deutschland würden die Produktionsstandorte im Rahmen normalen Wachstums ausgebaut. Die Merz-Gruppe macht mehr als ein Drittel ihres Umsatzes in Nordamerika, im Geschäftsjahr 2015/2016 waren das 377 Millionen Euro.

Ein anderes Bild bietet sich der Wiesbadener Unternehmensberatung Alton, die vorrangig Unternehmen berät, die in den amerikanischen Markt eintreten möchten. Laut Geschäftsführer Maximilian Karagöz haben erste Unternehmen ihre geplante Expansion in die Staaten auf 2018 verschoben oder ganz abgesagt. "Es gibt aber auch zahlreiche Firmen, die sich nicht abschrecken lassen und an ihren Plänen festhalten." Karagöz rät, jetzt "nicht in Panik" zu geraten. Gleichwohl sieht er Risiken in Trumps Politik und berichtet von einem Angestellten eines deutschen Maschinenbauunternehmens, der auch die iranische Staatsbürgerschaft hat und deswegen nicht nach Amerika einreisen durfte.

"Allein die Diskussion über Einfuhrzölle wird sich negativ auswirken", prophezeit Patrick Franke von der Research-Abteilung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Vor allem der Mittelstand in Hessen sei davon betroffen, weil diese Unternehmen nicht die Möglichkeit hätten, ein Werk in Amerika zu errichten. Franke zufolge kann es für Mittelständler derzeit sinnvoll sein, Investitionen zurückzuhalten oder aber andere Exportmärkte in Asien und Europa vorrangig zu erschließen.

Das Wiesbadener Unternehmen Ephy Mess hat gerade erst 200 000 Euro ausgegeben, um Produkte für den amerikanischen Markt zertifizieren zu lassen. "Wir haben uns strategisch entschieden, in den US-Markt zu gehen", sagt Andreas Becker, Geschäftsführer des Unternehmens, das mit rund 200 Mitarbeitern Sensortechnik und Messgeräte produziert. Jetzt sei es zu spät, auszusteigen. "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich unser Geld im Teich versenkt habe", meint Becker. "Leider ist Populismus derzeit in", fügt er hinzu. In Wiesbaden hat er den dritten Bauabschnitt für die Unternehmenszentrale erst einmal gestoppt. "Ich warte das Ergebnis der Bundestagswahl ab."

Die Wiesbadener Industrie- und Handelskammer (IHK) hat Anfang des Jahres ihre Mitgliedsunternehmen befragt und dabei festgestellt, dass die Investitionsbereitschaft der Firmen ungeachtet der Unsicherheiten sogar steigt. Nach Auskunft von Chefvolkswirt Florian Steidl haben 45 der befragten Unternehmen vor, im Ausland zu investieren. Das gelte auch für die Vereinigten Staaten: 16 Prozent der investierenden Unternehmen planten ein Engagement in Nordamerika, gegenüber dem Vorjahr sei das ein Anstieg um zwölf Prozentpunkte.

Ganz ungetrübt ist der Optimismus indes nicht. Wegen des "unklaren wirtschafts- und handelspolitischen Kurses der neuen amerikanischen Regierung" zeigten sich die Unternehmen verunsichert, führt der Chefvolkswirt aus. Dies spiegelten die aktuellen Zahlen zur Geschäftslage indes noch nicht wider, denn vor allem exportierende Dienstleister in Wiesbaden, Hochheim und dem Rheingau-Taunus-Kreis rechneten mit steigenden Umsätzen.

Wie wichtig gute Beziehungen der hessischen Unternehmen zu den Vereinigten Staaten sind, belegen auch Zahlen des statistischen Landesamtes. Demnach exportierten hiesige Firmen im Jahr 2015 Waren im Wert von fast 7,7 Milliarden Euro nach Amerika. Im Vergleich zur Jahrtausendwende hat sich die Ausfuhr damit mehr als verdoppelt. Die wichtigsten Exportgüter waren und sind chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Im vergangenen Jahr lieferten Hessens Unternehmen von Januar bis November Waren im Wert von 6,5 Milliarden Euro in die Staaten, wie das Landesamt mitteilt. Mit einem Anteil von mehr als zwölf Prozent an den gesamten hessischen Ausfuhren seien die Vereinigten Staaten in den vergangenen beiden Jahren der wichtigste Exportmarkt für die hiesigen Unternehmen gewesen.